E-Ladestationen in der Schweiz – Chancen & Herausforderungen
Elektromobilität gewinnt auch in der Schweiz immer mehr an Bedeutung – doch eine zentrale Frage bleibt: Wie gut ist die Ladeinfrastruktur wirklich? In diesem Beitrag schauen wir uns den Stand der E-Ladestationen in der Schweiz an und wägen die Vor- und Nachteile ab.
1. Der aktuelle Stand der Ladeinfrastruktur in der Schweiz
Zahl und Dichte der Ladestationen
- Laut EnergieSchweiz existieren rund 17`000 öffentliche Ladestationen in der Schweiz
- Andere Quellen sprechen von etwa 20`000 Ladepunkten (Stand Frühjahr 2025) bei rund 15`800 Stationen
- Das Verhältnis von AC- zu DC-Ladepunkten liegt laut Swiss-E-Mobility bei etwa 5 zu 1
Wachstum der Infrastruktur
- Der Ausbau schreitet voran: Zuletzt wuchs die Anzahl der Ladepunkte in einem Jahr um +29%
- Laut einer Studie von Comparis / Kalaidos lag Ende August 2024 die Zahl der öffentlichen Ladepunkte bei 14`224 an 6`509 Standorten – das Zeil der „Roadmap 2025“ ist, bis Ende 2025 20`000 öffentliche Ladepunkte zu erreichen
Leistung und Ladegeschwindigkeit
- Viele Ladestationen arbeiten mit relativ geringer Leistung: Laut Blick gibt es viele Ladepunkte mit 3,7 – 22 kW (AC)
- Hochleistungs-Schnelllader (DC) mit >100 kW sind seltener, aber im Aufbau – einige sind bereits bei mehr als 100 kW
- Laut den technischen Anforderungen sind für verschiedene Situationen unterschiedliche Ladeleistungen sinnvoll (z.B. 3,7 kW für Laden über Nacht, 22 kW für öffentliche Plätze, >100 kW für Schnelllader entlang der Autobahnen)



2. Vorteile der E-Ladestationen in der Schweiz
Guter Ausbau, insbesondere Öffentlich
- Das öffentliche Ladenetz ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Der Ausbau wird konsequent vorangetrieben
- Durch die Dichte der Stationen in städtischen Gebieten entlang der Verkehrsachsen ist laden oft gut möglich. Laut EnergieSchweiz kann man über Nacht zuhause oder tagsüber am Arbeitsplatz laden – öffentliche Säulen werden eher für Zwischenstopps genutzt
Flexibilität
- E-Auto-Fahrer:innen haben die Wahl: Zuhause laden (Wallbox), unterwegs an öffentlichen Stationen, bei der Arbeit oder beim Einkaufen
- Es gibt bereits Schnelllader, die auch längere Fahrten ermöglichen. Bei längeren Touren kann man gezielt Schnellladestationen einplanen
Umwelt- und Energieeffizienz
- Elektromobilität kann zur Reduktion von CO2-Emissionen beitragen, vorallem wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt
- Einige Ladestationen setzen gezielt auf nachhaltigen Strom
- Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird als wichtige staatliche Massnahme gesehen, um Elektromobilität zu fördern
Wirtschaftliches Potenzial
- Für Energiedienstleister, Stadtwerke oder Unternehmen bietet der Ausbau von Ladestationen neue Geschäftsmodelle
- Nutzer profitieren langfristig durch niedrigere Betriebskosten (Strom vs. Benzin/Diesel), besonders bei häufigem Laden zuhause oder am Zielort
3. Nachteile und Herausforderungen
Ungleichgewicht beim Ausbau
- Obwohl das öffentliche Netz wächst, gibt es noch grosse Unterschiede, vorwiegend bei privaten Ladepunkten. Laut Studie der Comaris / Kalaidos besteht ein grosser Mangel an privaten Ladestationen, besonders in Mietwohnungen
- Nicht alle Regionen sind gleich gut versorgt – grösstenteils ländliche oder bergige Gebiete könnten unterversorgt sein, vor allem mit Schnellladestationen
Ladeleistung und Wartezeiten
- Viele öffentlich verfügbare Ladepunkte sind langsame AC-Lader. Für Personen, die regelmässig Schnellladen brauchen, kann das frustrierend sein
- Die Kapazität von Schnellladern ist begrenzt, und in Spitzenzeiten kann es zu Engpässen kommen. Laut einer Analyse von Zoniq gibt es Auslastungsspitzen meistens in touristischen Regionen
- Es besteht das Risiko, dass nicht alle Ladepunkte zuverlässig funktionieren oder frei sind, was die Betriebserfahrung beeinträchtigen kann
Kosten
- Öffentliche Ladestationen sind nicht immer günstig. Laut Blick liegt der durchschnittliche Preis für geladenen Strom bei etwa 0.65 CHF pro kWh (Stand April 2025)
- Für Netzbetreiber und Investoren sind Schnellladesäulen teuer in Aufbau und Betrieb, insbesondere wegen dem Netzanschluss, Pufferbatterien und Hochleistungsgeräten
- Für Privatpersonen können die Investitionskosten für eine Wallbox (Ladestation zu Hause) hoch sein – zusätzlich zu den Kosten für das Elektroauto
Planungsaufwand und Unsicherheit
- Beim Reisen mit dem E-Auto ist eine sorgfältige Planung nötig. Man muss Ladestopps einplanen, vor allem wenn man auf Schnelllader angewiesen ist
- „Lade-Frust“ kann entstehen, wenn Stationen nicht funktionieren, besetzt sind oder Technikprobleme auftreten – was die Alltagstauglichkeit beeinträchtigen kann. Tatsächlich wurde in einer SRF-Kassensturz-Sendung über Frust mit öffentlichen Ladestationen berichtet (z.B. fehlende Säulen, technische Probleme, Zugang)
- Bei manchen Miet- oder Eigentumswohnungen gibt es rechtliche oder praktische Hürden, um eine Ladestation zu installieren (Genehmigung, Koste, Gemeinschaftsentscheidungen)
Netzbelastung
- Ein dichteres Ladenetz bedeutet eine erhöhte Belastung des Stromnetzes, grösstenteils bei vielen Schnellladestationen oder hoher simultaner Nutzung
- In Regionen mit begrenzter Netzkapazität (z.B. ländliche oder alpine Gebiete) kann es schwieriger sein, leistungsfähige Ladepunkte zu installieren, ohne das Netz stark zu belasten. Dies erfordert Investitionen in Netzausbau oder speicherbasierte Lösungen
4. Ausblick und Fazig
- Positiver Trend: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Schweiz schreitet voran, und die Zahl der Ladepunkte wächst kontinuierlich. Das ist eine starke Grundlage für die zukünftige Verbreitung von Elektroautos
- Mehr private Ladepunkte notwendig: Besonders bei Mietwohnungen oder in Mehrparteienhäusern muss der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur vorangetrieben werden, um die Elektromobilität massentauglich zu machen
- Schnellladeinfrastruktur ausbauen: Hochleistungssport-Schnelllader entlang von Verkehrsachsen sind entscheidend für Langstreckenfahrten. Hier besteht noch Potenzial, insbesondere um die Wartezeiten zu minimieren
- Regulatorische und technische Massnahmen: Um das Netz stabil zu halten, sind intelligente Netzmanagement-Systeme, Zwischenspeicher (Batterien), Lastmanagement und Investitionen ins Stromnetz wichtig
- Nutzerfreundlichkeit steigern: Mehr Zuverlässigkeit bei Ladestationen, transparente Preismodelel und einfache Zugangslösungen (Roaming, Karten, Apps) helfen, die Akzeptanz bei den Nutzer:innen zu erhöhen
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